
Ohne Erinnerung keine Zukunft
Die konstruierte Möblierung lässt an ein apokalyptisches Stillleben denken. Es scheint etwas Übriggebliebenes, eine Erinnerung an einen längst verlassenen Ort zu sein.
Es sind bewahrte Spuren einer vergangenen Zeit, die uns auf das Vergehen, das Bleiben, das Ursprüngliche verweisen und Fragen nach dem Wohin entstehen lassen.
Ausstellungsprojekt: SzenenWechsel auf Kap Arkona, Organisation: EllenNa
AUS DEM RAHMEN (Landesschau 2023)
Durch eine persönliche Affinität beschäftigt mich das Thema Wasser als Quelle allen Lebens, das Meer als Urgewalt der Natur und seine besondere Daseinsform seit längerem in meiner Arbeit.
Ich benutze es als Metapher, um Befindlichkeiten umzusetzen und eine Bildwelt entstehen zu lassen, die bestimmte Seherlebnisse ermöglicht. Inhalte sollen durch die Symbiose von Idee, Gefühl und Denken sowie durch traditionelle und alternative Arbeitstechniken transportiert werden.
Natürlich spielt das Wissen um die Gefährdung der Meere, um die spürbaren Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung sowie um gravierende menschengemachte Veränderungen des Gesamtsystems Meer in vielen Regionen der Erde eine wichtige Rolle.
Deshalb wählte ich aus der „Meeresserie“ mit Titeln wie Überschwemmung, Nachtsturm, Treppe überflutet, Woge, Schwimmer und Schlafendes Meer ein Bild aus und schnitt es aus dem Rahmen.
Das Metallobjekt, wirkend wie eine Falle oder ein Käfig, hält das zusammengerollte Bild, hat es aufgefangen und bewahrt es.
Angesichts verstörender Nachrichten durch die Medien und der belastenden Situation der Pandemie drängen sich Fragen auf: Wie kann man dem Verlust von Lebensenergie als Folge der genannten Einflüsse begegnen? Wie kann man „im Rahmen bleiben“ und den Spagat zwischen seelischen Engpässen und dem Bedürfnis nach künstlerischer Arbeit meistern, welches in allen Zeiten präsent ist und nicht zum Stillstand kommen darf?
Wie lässt sich die eigene Kreativität aus einer lähmenden Beklemmung befreien und neuen Herausforderungen Paroli bieten?
Sichere Gewässer sind in weiter Sicht und erst ein kleines Licht am Ende des Tunnels.
Wie lässt sich diese erzwungene Leerstelle bezwingen und das eigene Potential aktivieren?
Bewegung und einfach weitermachen…
Titel meiner Arbeit: „aus dem Rahmen“
Entstehungsjahr: 2022
Technik: Mischtechnik (Acryl, Öl) auf Leinwand
Eisenobjekt, geschweißt aus Metallfundstücken
Größe: Rahmen – 130 x 110 cm bzw. 180 x 130 cm
Objekt – 150 x 40 x 40 cm
MENETEKEL
Geheimnisvolles, ernstes Warnungszeichen
Inspiration meiner Arbeit ist die Natur und das Wissen um ihre sich verändernde Befindlichkeit und Fragilität sowie die Frage, wie eine Anpassung an die durch den Menschen verursachten Klimaveränderungen erfolgen kann.
Die Ästhetik gefundener natürlicher Objekte und Artefakte aus verschiedenen Materialien wurde zur Kunst erhoben, um durch die Komposition des scheinbar Morbiden die beabsichtigte Aussage zu unterstreichen und „Nicht in Worte zu Fassendes“ – die Sorge um unser gemeinsames Haus – darzustellen.
Das Symbol des Baumes als kleines Mosaiksteinchen in der Gesamtheit des zerstörten Gesamtwerkes Natur steht als Metapher für Leben, Menschsein und die Erdung des Geistes.
Das absolute Schwarz symbolisiert Dunkelheit, das Ende und Schweigen, steht aber auch für Kreativität und Aufmerksamkeit. Durch seine grafische Wirkung unterstreicht es zugleich den Kontrast zur Umgebung.
Befreiung und gelöste Bindung werden durch die gebrochene alte Kette symbolisiert, die früher als Antrieb einer Landmaschine diente. Äste, Abfall aus einem gerodeten Wald, winden sich um das Metallstück, formen sich zu einem Gebilde und streben trotz der gekappten Arme wie verletzte Kreaturen nach oben.
Die aus dem Rahmen geschnittene „poetische Landschaft“ und „Zerschnitten“ vervollkommnen das Gesamtbild und sind als sarkastische Reaktion auf gegenwärtige Äußerungen zur zeitgenössischen Kunst zu lesen.
Wie alle Gegenstände sind auch die beiden Bilder Assoziations- und Emotionsträger. Sie bauen eine Brücke zwischen Kunstwerk, Betrachter und Denken.
Ist es unangebracht, auf Sensibilisierung zu verweisen, den Blick auf die Realität zu schärfen und daran zu erinnern, dass auch wir Bestandteil der Natur sind …?
MENETEKEL
Mysterious, serious warning sign
The inspiration for my work is nature and the knowledge of its changing condition and fragility, as well as the question of how we can adapt to climate change caused by human activity.
The focus is on painting and the medium of installation. The aesthetics of found natural objects and artifacts made of various materials are elevated to art in order to underline the intended statement through the composition of the seemingly morbid and to represent “what cannot be expressed in words”.
The symbol of the tree, as a small mosaic piece within the totality of the damaged work of nature, stands as a metaphor for life, humanity and the grounding of the spirit.
Absolute black symbolizes darkness, the end and silence, but also stands for creativity and attention. Through its graphic effect, it emphasizes the contrast with its surroundings.
Liberation and loosened bonds are symbolized by the broken old chain, which once served as part of the drive mechanism of an agricultural machine. Branches and remnants from a cleared forest wind around the piece of metal, forming a structure and striving upwards like injured creatures despite their severed arms.
The works “Poetic Landscape” and “Cut Painting”, removed from their frames, complete the overall composition and can be understood as a sarcastic reaction to current statements about contemporary art.
Like all the objects within the installation, the two paintings are carriers of associations and emotions, building a bridge between the artwork, the viewer and thought.
BRITTA NAUMANN-KNAPP
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